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Reliabilität (Zuverlässigkeit)

Jede empirische Messung kann mit zufälligen und systematischen Meßfehlern verbunden sein. Letztere haben zur Folge, daß das »Meßinstrument« systematisch verzerrte Messungen liefert, die von den tatsächlichen Werten der gemessenen Eigenschaft in (prinzipiell) berechenbarer Weise abweichen. Systematisch verzerrte Messungen treten z.B. dann auf, wenn die Teilnehmer an einer Umfrage nicht ihre tatsächlichen Meinungen äußern, sondern $ \dq$sozial erwünschte$ \dq$ Antworten geben. Zufällige Meßfehler haben dagegen zur Folge, daß dieselbe Messung bei der gleichen Untersuchungseinheit mal zu einem höheren und mal zu einem niedrigeren Wert führt, obwohl sich der tatsächliche Wert der gemessenen Eigenschaft nicht verändert hat. Es ist davon auszugehen, daß alle sozialwissenschaftlichen Messungen mit mehr oder weniger großen Meßfehlern verbunden sind.

Das Ausmaß, in dem wiederholte Messungen mit dem gleichen Meßinstrument bei Konstanz der zu messenden Eigenschaft die gleichen Werte liefern, bezeichnet man als Reliabilität oder Zuverlässigkeit (engl.: reliability). Man beachte, daß systematische Meßfehler nicht Gegenstand dieser Definition sein können, weil identische, d.h. absolut zuverlässige Meßergebnisse nicht ausschließen, daß alle Messungen systematisch verzerrt sind.

Die Reliabilität einer Messung kann auf unterschiedliche Art und Weise überprüft werden. Man unterscheidet:

Ein Meßinstrument, das aus mehreren »Indikatoren« besteht, kann als eine Menge paralleler Messungen interpretiert werden, wenn diese Indikatoren alle die gleiche Dimension des zu messenden »theoretischen Konstrukts« erfassen. Diese Eigenschaft bezeichnet man als interne Konsistenz. Sie ist durch geeignete statistische Verfahren zu prüfen (z.B. durch Korrelation der Indikatoren untereinander). Können die Indikatoren in diesem Sinne als parallele Messungen aufgefaßt werden, so kann die Reliabilität des Meßinstrumentes mit Hilfe eines Maßes der internen Konsistenz geschätzt werden (z.B. durch Cronbachs $ \alpha $).

Formal läßt sich die Reliabilität einer Messung wie folgt definieren: Jeder empirische Meßwert $ x_{i}$ setze sich zusammen aus dem tatsächlichen Wert $ t_{i}$ (engl.: true value) und einem zufälligen Meßfehler $ e_{i}$ (engl.: error): $ x_{i} = t_{i}+e_{i}$. Die Reliabilität $ \rho$ (griech.: rho) entspricht dem Anteil der Varianz der tatsächlichen Werte an der Varianz der Meßwerte: $ \rho = \sigma ^{2}_{t} / \sigma ^{2}_{x}$.


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HJA 2001-10-01